Tiger orange kurz

Anschlag

tiger mit Schatten

Nein, dieser Seitentitel hat nichts mit einer terroristischen Vereinigung zu tun,  aber so nennen wir in Schwenker-Kreisen salopp die

Schräglagenbegrenzung auf der rechten Seite.

Was ist das? Einfach beschrieben eine Vorrichtung, die, wie es der Name sagt, die Seitenneigung des Motorrades in Richtung Seitenwagen einschränkt. Klingt seltsam, wollen doch alle die maximale Schräglage auskosten, das macht doch Spaß und ist auch sicherer, wenn ich einmal nach rechts ausweichen müsste.

Richtig, jedoch muss man auch hier Grenzen setzen.

In keiner Fahrsituation darf der Lenker irgendwo anstoßen oder gar hängen bleiben. Bei der Mehrzahl der SWING ist das rechte Lenkerende das erste Teil des Motorrades, das in Rechtskurven am Seitenwagenboot anschlägt. Dies ergibt im ärgerlichen Fall Lackschaden auf der Bootsnase, viel schlimmer ist die Blockade der Lenkung. Beim Aufliegen des Lenkers auf dem Boot kann ich nicht mehr lenken, das Fahrzeug ist nicht mehr kontrollierbar.

Eine andere Variante ist das “Auflegen” des Handbremshebels auf der Bootsnase. Dadurch wird die Vorderradbremse ohne Dosierung betätigt. Die Folge kann im schlimmsten Fall (wenn kein ABS vorhanden) ein Blockieren des Vorderrades sein. Der weitere Verlauf (real erprobt!) ist das sofortige Rutschen des Vorderrades, das Motorrad wird samt Besatzung unaufhaltsam gegen den Seitenwagen gedrückt und das Dreirad schießt wieder einmal unkontrollierbar mehr oder weniger geradeaus.

Mit ABS ist das anders, aber auch nicht positiv: Das Motorrad stellt sich sofort auf und es geht wieder einmal geradeaus statt in die gewünschte Richtung nach rechts.

Dies kann alles natürlich nicht passieren, wenn die Schräglage rechts vorher begrenzt wird, und zwar durch das Einklemmen von Fahrer und / oder Sozius zwischen Motorrad und Seitenwagen. Natürlich auch eine Art von “Anschlag”, in diesem Fall aber einer auf die Gesundheit der Benutzer.

Deswegen hat jeder SWING serienmäßig diesen “Anschlag”!

Ein Fall aus der Praxis:

Wir fahren eine kleine Abkürzung an einer Baustelle vorbei. Runter vom Asphalt, ein nicht befestigter Weg, kurze und kräftige Steigung. Nicht an die moderne Technik gedacht, denn plötzlich stellt die Traktionskontrolle des Motorrades ein durchdrehendes Hinterrad fest und nimmt schlagartig die Leistung weg. Die Folge war Stillstand und mangels Gripp auf dem Schotter kippte das Motorrad nach rechts - in diesem Fall auf den serienmäßigen Anschlag - das Dreirad drehte sich noch um 90° im Uhrzeigersinn Richtung hangabwärts.

Da lagen wir, oder saßen, auf dem Motorrad, 45° Schräglage Motorrad plus 25° Hangschräge, also ziemlich flach, einen Moment lang Adrenalin abbauend und fluchend, dann lachend.

Es war ja nichts passiert, das Motorrad lehnte sich gegen den Anschlag, weder Fahrer noch Sozia hatten sich irgendwie eingeklemmt oder verletzt, es gab nicht einmal Lackschaden. Aus der “Fuhre” rausgefädelt, mit einiger Mühe den Schwenker talwärts gedreht und dank 100% freigängiger Lenkung die ersten Meter auf dem Anschlag nach unten rollen lassen, im Rollen kurze Lenkbewegung, wieder aufgestellt und gut war.

Ohne diesen Anschlag hätten wir mit Sicherheit diverse Prellungen oder Blessuren davon getragen und würden, übertrieben gesagt, noch heute eingeklemmt auf diesem kleinen Pass hängen.

Klar, nach dem alten Sprichwort “Wenn der Bauer nicht schwimmen kann ist die Badehose schuld!” -  war das nie ein Bedienerfehler, aber solch ein Umkippen kann in viel einfacheren Situationen passieren, beim Umdrehen auf dem Waldparkplatz, beim Wenden auf der Straße mit einem rutschigen Fleck, eine nasse Stelle ich der Kurve .....das ist eben Murphys Gesetz.

 

Wie sieht dieser Anschlag aus?

Kalich-Triumph Explorer Swing (133)

Ein Aluminium-Drehteil auf dem Seitenwagenrahmen, das sich “gezielt” auf einem stabilen Motorradteil abstützen kann.

Wir passen diesen Anschlag bei jedem Schwenker genau an, haben bei den meisten davon eine Verstellmöglichkeit für den Kunden vorgesehen. Wenn irgendwann “schräglageneinschränkende” Teile entfernt werden, kann der Anschlag und damit die Bewegungsfreiheit angepasst werden.

Erschreckend eng wird es auf diesem Anschlag! Zumindest optisch. Um maximale sichere Schräglage rechts zu ermöglichen ist zwischen Boot und Motorrad an manchen Stellen wirklich kein Zentimeter Luft. Dies ist aber genau definiert, hier klemmt man sich weder Unterschenkel, Arm noch Bremshebel ein.

Kalich-Triumph Explorer Swing (100)
Kalich-Triumph Explorer Swing (107)

Bei Bedarf fahren wir freihändig Rechtskreise auf diesem Anschlag! Nein, das ist kein Standbild, die Triumph rollt im Standgas kleine Kreise und die Besatzung lacht. Nichts eingeklemmt, nicht angekratzt, nichts geht kaputt!

Fotos dieser Seite © A.Koenigsbeck

Mit dem Cursor auf´s Bild

engel

Bemühen Sie doch einmal Ihre Internetsuchmaschine, Sie werden bestimmt einige aussagekräftige Bilder von anderen Konstruktionen im www finden.

 “Schwenkergespanne” in leichter Rechtsneigung, wir schreiben absichtlich “Neigung” und nicht Schräglage, der Unterschenkel des Fahrers klemmt schon am Seitenwagen, Sicherheit ist etwas Anderes.

Bei uns wird bei der TÜV-Abnahme jedes Fahrzeug auf den Anschlag nach recht gekippt und der Sachverständige überprüft die Tauglichkeit, ob die Lenkung 100% freigängig ist, ob man sich als Fahrer, Sozius oder Passagier einklemmen kann. Denn dann gäbe es nicht den begehrten Stempel auf das Papier.

 

Und was passiert, wenn ich nun in einer Rechtskurve auf den Anschlag komme???

Genau genommen: Nichts!

Sie können nicht tiefer in Schräglage abwinkeln. Als Folge passt unter Umständen die gefahrene Geschwindigkeit nicht mehr zum Kurvenradius, da muss man dann “anpassen” - also Tempo runter. Ob nun vom Gas gehen ausreicht, oder leicht gebremst werden muss .... oder man hat sich in dieser Kurve völlig verschätzt und eine kräftige Bremsung mit gleichzeitigem “Drücken” des Kraftrades ist notwendig ... es passiert sonst nichts!

Kein Einklemmen, keine selbständige Bremsung durch verklemmte Hebel, kein Umfallen.

Was dürfen Sie auf dem Anschlag nicht tun:

Einlenken à la “Starres Gespann”, das ist die völlig falsche Reaktion, denn damit bewirkt man den Schräglagenwechsel in die Gegenrichtung - ganz wie bei einem Solomotorrad.

In einem Bericht der Zeitschrift MOTORRAD-GESPANNE Nr. 147 gibt es ein Mitbewerber-Zitat zum Thema “Einlenken” beim Schwenker. Hier fragen wir uns: “Wurde das schon einmal selbst ausprobiert oder .....” - aber lassen wir das. Hier kann wieder jeder selbst die eigenen Schlüsse ziehen.

Um es richtig gut zu machen reicht es nicht aus Schwenkergespanne zu verkaufen, dazu muss man

“Schwenker leben”.

Damit kommen wir wieder zum Beginn dieser Seite zurück. Terroristisch ist dieser Rechts-Anschlag bestimmt nicht, aber einen Schwenker ohne dieses Sicherheitszubehör auszuliefern würden wir als Anschlag auf die Sicherheit unserer Kunden betrachten.

© Ralph Kalich 2016